Ich rechne mit allem

Wer kennt es nicht, dieses ewig umherkreisende Gedankenkarussell? Es gibt Momente, da male ich mir allerhand Szenarien und Situationen aus, die eintreffen könnten, oder aber die auch total abwegig sind. In einer dieser Gedankensitzungen mit mir selbst ist dieses fiktive Gespräch entstanden, dass ich genau so aufgeschrieben habe, wie es mir in den Sinn kam. Vielleicht ist es an der Realität vorbei, vielleicht aber ganz interessant oder unterhaltsam… Entscheide selbst.

„So, Herr F. Ihre Unterlagen haben Sie uns ja schon zukommen lassen.“
„Richtig.“
„Nun, ich lese hier… Philosophie und Englisch.“
„Genau.“
„Ja, also… Und wie können Sie diese Fächer in unserem Unternehmen einsetzen?“
„Naja, vielleicht weniger die Fächer an sich, sondern eher die Kompetenzen, die mir diese vermittelt haben.“
„Interessant. Die da wären? Lesen?“
„Durchaus.“
Schnauben.
„Aber das ist nur rein oberflächlich. Ich denke vernetzt und themenübergreifend…“

„Ah, so ist das. Und worüber denken Sie dann nach, für die Firma?“
„Naja, zum Beispiel wie Arbeitsprozesse und Ergebnisse optimiert werden können. Oder wie die Kommunikation verbessert werden kann.“
„So so. Aber das scheint ja alles etwas schwammig. Wissen Sie, am Ende müssen die Zahlen stimmen.“
„Ja. Aber dafür müssen doch erst passende Konzepte entwickelt werden.“
„Sehen Sie, ich glaube wir reden hier etwas aneinander vorbei.“
„Ja.“
„Ja?“

„Ja. Sie erwarten Zahlen, Daten, Fakten. Ich liefere Impulse.“
„So?“
„Hätte ich Wirtschaftsphilosophie studiert…“
„Ah ja, so etwas gibt es?“
„Bestimmt. Aber merken sie nicht, auf einmal sind Sie interessiert.“
„Ja. Wegen des wirtschaftlichen Anteils.“
„Natürlich. Nichts funktioniert ohne die Wirtschaft, die Wirtschaft ist unser Motor, sie ist unser Ausgangspunkt und unser Ziel.“

„Bitte?“
„Sie waren voreingenommen.“
„War ich das? Es war wohl eher Skepsis.“
„Die reinen Geisteswissenschaften schrecken Sie ab. Für viele sind sie zu diffus.“
„Ja, das müssen sie verstehen.“
„Natürlich. Sie suchen Menschen mit Bezug zum Absatzmarkt.“
„Weil Sie mit Zahlen rechnen.“
„Ja doch.“

„Aber wissen Sie, ich rechne mit allem.“
„Mit allem?“
„Ja. Die Zusammenhänge von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Ein Faktor beeinflusst den nächsten. Das Zusammenleben, der Markt und auch diese Firma sind nicht auf starren Konstrukten aufgebaut. Diese Gebäude sind empfindlich und labil wie ein Kartenhaus im Wind. Nur ein einzelner Fehler kann das gesamte Gebilde zum Einsturz bringen.“

„Aha.“
„Zu bildlich gesprochen, zu metaphorisch?“
„Nun, vielleicht ist da etwas dran.“
„Sehen Sie.“
„Sehe ich was?“
„Kommunikation. Sie ist der Schlüssel.“
„Sie meinen… Oh ja, in der Tat.“
„Die Welt der Zahlen ist Komplex. Aber Gesamtgefüge sind komplexer.“
„Sie denken quer.“
„Ist das verkehrt?“
„Nein, anders.“

„Und ist anders schlecht?“
„Nein. Anders zeigt neue Wege.“
„Ja. Haben Sie den Mut, neue Wege zu gehen?“
„Ich sehe Sie am Montag.“


Beitragsbild: Photo by Joshua Ness on Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.